Flug mit der Piper nach Grönland
Markus Müller will mit seiner Piper Arrow III Turbo von der Hahnweide nach Grönland fliegen. Markus ist ein sehr erfahrener Pilot, der auch die Instrumentenflugberechtigung hat. Markus wird hier über die Vorbereitungen und auch die eigentliche Reise berichten. Wir freuen uns sehr, dass er uns teilhaben lässt und wünschen eine gute Reise! Der Abflug war am 16.08.2020.


24.- 26.09.2020 - Der Motorausbau

 

 

Nach langem Hin und Her, ob sich eine Reparatur überhaupt lohnt und wie die Bergung des Flugzeugs aussehen könnte habe ich mich dazu entschlossen das Flugzeug auf Island wieder flugfähig zu reparieren. Zunächst sollte eine Inspektion vor Ort durchgeführt werden. Wenn dann alles im grünen Bereich ist, sollte gleich der Motor ausgebaut werden und in eine Werft verschickt werden um dort eine Schock-Loading-Inspection durchführen zu lassen.

Wegen der Corona-Krise gab es nun Einreiserestriktionen nach Island, die nach der Einreise einen Corona-Test verlangten und eine anschließende 4 tägige Quarantäne in einem speziell ausgewiesenen Hotel. Außerdem darf nach der Einreise kein öffentliches Verkehrsmittel und kein Inlandsflug benutzt werden. Es ist jedoch erlaubt mit dem Mietwagen vom Flughafen zum Bestimmungsort zu fahren. Vom Isländischen Gesundheitsamt erhielt ich eine Ausnahmegenehmigung, dass wir (Markus Müller, Patrick Küster (Prüfer und Mechaniker) und Bodo Bleichner) während der Quarantäne abgesondert im Hangar arbeiten durften. Somit konnte die Rettungsaktion geplant, gebucht und durchgeführt werden. Die Aktion war von Donnerstag 24.09. bis Samstag 26.09. geplant.

 

Der Flug sollte ursprünglich von Frankfurt direkt nach Keflavik führen. Dort wollten wir mit einem Mietwagen in circa 6 Stunden nach Isafjördur fahren. Leider machte und Icelandic Air einen Strich durch die Rechnung und der Flug wurde über Kopenhagen abgewickelt.


Auf dem Flughafen Kopenhagen

Die Ankunftszeit war entsprechend spät um 19:00 lokal Zeit. Nach dem Coronatest konnten wir gegen 20:00 endlich losfahren, wurden aber während der Fahrt mit wunderbaren Nordlichtern belohnt. Einfach fantastisch. Diese wunderbare Lightshow der Natur dauerte über eine Stunde.


Nordlichter in Island

 

Nach einer viel zu kurzen Nacht im Hotel konnte die Arbeit im Hangar beginnen. Nach der Demontage des Propellers wurde der Rund- und Planlauf der Propellernabe gemessen. Der Wert war verblüffend gut. Außerdem hat das Brandschott keine Schädigungen und auch der Motorträger zeigte keine Risse noch sonstige Beschädigungen. Der Motor sollte somit in Ordnung sein. Damit macht es Sinn, das Triebwerk auszubauen, eine Schockloading inspection durchzuführen und das Triebwerk wieder instand zu setzen.


Flughafen Isafjördur

 


Die Feuerwehr am Platz stellte uns freundlicherweise ihren Gabelstapler zur Verfügung. Herzlichen Dank für diese tolle Hilfsbereitschaft.


Nach nur 4 Stunden Demontage bei Temperaturen um den Gefrierpunkt konnten wir das Triebwerk aus dem Flugzeug heben.


Die West Fjorde, einfach atemberaubend.

Bei der Rückfahrt am Freitagnachmittag durch die West Fjorde konnten wir eine Walschule bestehend aus 10-20 Tieren im Fjord beobachten. Leider hatten wir nur unsere Handycameras dabei. Die Natur ist schon atemberaubend. Nach über 6 Stunden Fahrt kamen wir um 22:30 im Quarantäne-Hotel in Keflavik an. Der Flug nach Frankfurt wurde zwischenzeitlich geändert. Es wurde eine Zwischenlandung in Kopenhagen eingefügt. Dänemark hat aber ab Freitag 24:00 seine Covid-Bestimmungen geändert. Nun sollte man nur noch Einreisen dürfen, wenn man bestimmte Bedingungen erfüllt. Per Mail vereinbarten wir einen Geschäftstermin mit einem Geschäftspartner in Kopenhagen und so konnten wir wenigstens die Heimreise antreten. Wahnsinn welche Hürden sich da plötzlich über Nacht auftun.
Trotz der rigiden Corona-Bestimmungen sowohl in Deutschland als auch in Island und Dänemark konnte diese Aktion legal und regelkonform durchgeführt werden. Man muss zwar sehr viel Vorbereitungsarbeit leisten und sich ständig auf dem aktuellen Stand der Verordnungen halten, aber es geht.

Mittlerweile ist es tiefster Winter in Isafjördur und die Maschine steht leider im Freien, da der Besitzer des Hangars den Platz anderweitig bereits vermietet hat. Aufgrund einer Betriebsquarantäne konnte die Motorinspektion nicht fertiggestellt werden und so müssen wir den Motoreinbau auf das kommende Frühjahr verschieben. An einen Rückflug im Winter ist ohnehin nicht zu denken und so sind wir positiver Dinge, dass im isländischen Frühling die Corona-Pandemie wieder abgeflacht ist und wir ohne große Einschränkungen nach Island fliegen können und das Flugzeug wieder instand setzen können. Ich möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich für den super engagierten Einsatz von Patrick Küster und meinem Freund Bodo Bleichner bedanken, ohne die beiden wäre diese Rettungsaktion nicht möglich gewesen.


D-EMBW mit abgeklebter Türe in der Polarnacht, 66°Nord.